Photon trifft Atomkern

Physikalische Grundlagen, Information und Fragen zu Lasern.

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Matthias1
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Photon trifft Atomkern

Beitrag von Matthias1 » Mo 19 Mai, 2014 4:56 pm

Hallihallo,

mich würde einmal interessieren was denn passiert wenn ein Photon ein Atomkern trifft. Wenn es um Laser geht wird ja vorwiegend über die Elektronen gesprochen, da diese ja für das "Lasern" entscheidend sind.
Der Atomkern wird doch sicherlich auch irgendwie angestoßen und vor allem ist doch die Wahrscheinlichkeit viel höher weil der Kern ja viel größer ist als das "punktförmige" Elektron.
Bei sehr hohen Intensitäten wo die elektrische Feldstärke in Bereiche der inneren Kernkraft gelangt, müsste es doch möglich sein ein Atomkern zu spalten?? (Habe auch schon etwas in der Art gehört, dass so extrem hohe Intensitäten das ganze Atom zerreißen und somit der Urknall simuliert wird, also genau das was am CERN gemacht wird?)


Grüße und schoneinmal Danke an UndiSpektrum :D :D

undineSpektrum
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Re: Photon trifft Atomkern

Beitrag von undineSpektrum » Di 20 Mai, 2014 3:34 am

Hallo,

Jetzt wird´s mal spannend - das wurde ich zuletzt vor über 20 Jahren gefragt...

Grundsätzlich spielt der Atomkern immer mit - wird die (viel größere Elektronenhülle) durch ein äußeres Feld bewegt so "taumelt" der Atomkern grundsätzlich mit ... und das lässt sich gerade mit der Laserspektroskopie sehr genau beobachten.

Jetzt kommt wieder das berühmte "punktförmige" Elektron... Du merkst schon dass ich endlose und über Jahrzehnte gehende Debatten darüber hinter mir habe und immer wieder wird behauptet die QED ( das ist die derezeit genaueste Eichtheorie die es gibt ) gehe davon aus dass Elektronen punktförmige Gebilde ohne Ausdehung seien. Die Elektron-Elektron-Streuung wird dabei immer als Experiment angegeben die doch zeige, dass das Coulomb-Potential bis zu Abständen von 10^(-16) m gültig sei ...
Das ist - wie ich in Übereinstimmung mit dem Dänischen Kollegen Ole Keller ( und vielleicht noch vielen anderen die ich nicht kenne ) glaube - eine falsche Intepretation der Quantenmechanik des Elektrons.
Daraus resultiert dann auch Deine Frage... :wink:
Für klassische Betrachtungen ist das mit dem punktförmigen Elektron (sehr kleiner Bereich der Ladungskonzentration im Verhältnis zu alltäglichen Abmessungen von Körpern aus vielen Elektronen und anderen Teilchen, also vor allem auch Atomkernen) in Ordnung -> Elektronentheorie von Hendrik Anton Lorentz um ca. 1900.
Grundsätzlich ist seit 1924 der sog. "Welle-Teilchen-Dualismus" bekannt - wenn also das Elektron sehr genau betrachtet wird ist es eben nicht punktförmig, sondern auf einen bestimmten, von seiner Energie abhängigen Raumbereich verteilt und das in Form einer Welle wie z.B. einer Schallwelle -> Schrödingergleichung. Im Grunde besagt die QED ( das ist nichts anderes als eine erweiterte Schrödingergleichung die geladene Teilchen und elektrische und magnetische Felder auf solche Wellen zurückführt ) genau dies.
Diese sonderbare Rolle der Wellen ( die sich ja hervorragend beim Laserlicht im Alltag zeigt ) bei allen Teilchen ist nicht vermeidbar oder "wegdenkbar", denn alle physikalischen Wechselwirkungen finden zwischen diesen Wellen statt... die ablenkung eines Elektron in einem elektrischen Feld (z.B. eines anderen Elektrons ) wird nicht anders erklärt als z.B. die Brechung von Lichtwellen an einer Glas- oder Wasseroberfläche oder in der Athmosphäre... :wink:
Könnte man Elektronen und andere Teilchen direkt sehen ( wohl gemerkt:"könnte!"), so würde das dann eher so aussehen wie hier:
http://www.youtube.com/watch?v=-zTVJNPjH2E
http://www.youtube.com/watch?v=9_zqzQOYCSs
http://www.youtube.com/watch?v=XQKZqBXq1VQ
Die bekannte Unschärferelation ist nichts anders als die Beschreibung der Wellenlänge dieser Wellen... mit allen Konsequenzen die aus Ihr folgen -> Kernenergie z.B. oder die Bandstrukturen von Halbleitern u.ä. ...
Diese "seltsamen" Wellen ( Einstein nannte sie - das ist kein Witz(!) - "Geisterfelder" :mrgreen: ) werfen zwei Probleme auf:

Im Unterschied zu den Lichtwellen lassen diese Materiewellen (des Elektrons) sich auf keine "dahinterstehende Theorie" wie z.B. die Maxwellschen Gleichungen der Elektrodynamik im Falle der Lichtwellen - zurückführen... es handelt sich um eine Theorie die nicht näher begründbar ist und doch zugleich eine sehr genaue Beschreibung ergibt die unsere Welt verändert hat wie keine andere ( und dies immer noch weiter tut ... ) :wink:
Zitat dazu von Prof.Dr.Gunter von Minnigerode (Universität Göttingen / leider 1998 verstorben) : "Die mit größster Genauigkeit bestimmbare physikalischen Größen sind Frequenzen und Frequenzunterschiede ... !" )
Wechselwirkungen zwischen zwei solcher Materiewellen wirken immer auf die Welle als ganzes - das wurde erst relativ spät entdeckt so dass die Gleichungen für das "punktförmige" Elektron richtig bleiben... zumindest soweit man es kennt... was aber nicht bedeutet, das es sich um ein punktförmiges Teilchen tatsächlich handelt... das ist sogar ausgeschlossen. -> Elektronen und alle Teilchen zeigen ja den Effekt der Interferenz...
Die Wechselwirkungen zwischen zwei Teilchen wirken als auf den gesamten Raumbereich -> nichtlokalität in der QM.
Das im alltag alle Abläufe "lokal" d.h. Ortsbezogen sind hat mit der Form der Wellen (->Wavelets) und der Zusammensetzung aus extrem vielen solcher Wellen und unterschiedlichen Wechslwirkungen zu tun ( ein Reagenzglas mit Wasser enthält ja locker 10^23 Atome.... :mrgreen: )
Die Abmessungen und sonstigen Eigenschaften alltäglicher Körper sind durch die Aneinanderreihung vieler solcher "Wavelets" d.h. Atome und Elementarteilchen bestimmt ... grob gesagt. Im subatomaren Bereich sind die Dimensionen aber nicht durch die Abstände zwischen zwei Wavelets bestimmt sondern durch die Wellenlänge oder das Spektrum an Wellenlängen die dieses "Teilchen" strukturieren und ihm seine natürliche Form geben... die Wellenlänge der Hüllenelektronen ist damit wegen der kleineren Bindungsenergien an den Atomkern sehr viel größer als die Wellenlängen der Nukleonen die durch die Bindungskräfte im Atomkern zusammengehalten werden ... ->Yukawa-Potential / Heisenbergsche Nukleonentheorie usw. :wink:

Soweit zur Quantenmechanik, sie ist grundsätzlich wichtig für diese Frage...

Damit wird jetzt auch klar woher der Unterschied von "Hüllenprozessen" und "Kernprozessen" liegt... in der Wellenlänge der Materiewellen und in der Wellenlänge der elektromagnetischen Wellen die "Übergänge" zwischen den Moden der Materiewellen so unterschiedlicher Mindest-Ausdehung ( deswegen ist die Unschärferelation ja eine Relation :wink: und keine Gleichung, weil der Fall der Mindestausdehung durch denn Fall Gleichung beschrieben wird )
Dennoch gilt eigentlich alles, was für den Bereich der Lichtwellen und der Hüllenelektronen gilt stark verkleinert auch für den Bereich des Atomkernes - da sind es dann Gamma-Strahlungen und Kernübergänge. Der Laser zur Anregung von Kernübergängen müsste also Gammastrahlung erzeugen ... das ist ein schwieriges Projekt. Da gehen dann mit Sicherheit keine Resonatorspiegel aus Metall mehr, sondern die "Bragg-Reflexion" an bestimmten Kristallgittern o.ä. als "Laserspiegel". ( Wie von mir bereits 1992 diskutiert währe es gar nicht so schwer, ein solches "invertiertes Medium" in Form kurzlebiger radiokaktiver Substanzen die intensive Gammastrahlung erzeugen um einen solchem Laser zu konstruieren, weil die Inversionsbedingung sich ja dann auf Kernübergänge mit größeren Niveauabständen (das sind die Modenabstände der Materiewellen der Nukleonen!) bezieht - das Problem Proportionalität f³ der Inversion die "blaue" Laser erschwert währe gar nicht gegeben... ) :wink:

Sag mal... weisst Du überhaupt wovon ich schreibe? :oops:
Kannst Du den Zusammenhang zu deiner Frage noch erkennen? - Ich hoffe ich habe Dich nicht völlig durcheinandergebracht...
Das mit dem punktförmigen Elektron ist im Rahmen der Quantenmechanik ein "gefährliches" pädagogisches Konzept.
Eine Mitschülerin von mir sagte vor 20 Jahren zu Elektronen : "Das sind kleine Kügelchen..." :D
Aber damit wärst Du nicht alleine: Richard Feynman( Nobelpreisträger von 1965 für die Entwickelung der QED ) sagte mal: "Niemand kann von sich Behaupten die Quantenmechanik wirklich verstanden zu haben, glaube ich ..." )

Vielleicht erstmal soviel... Und... es freut mich dass auch nach 11.3.2011 noch jemand nach Kernphysik fragt ( und Ihr damit auch eine Zukunft einräumt )... denn die Technik schreitet voran, nur nicht diejenigen die "Stehenbleiben" .... und zu letzteren gehörst Du ganz klar nicht. :wink:
Off-Topic:
Zur Verteidigung der friedlichen Nutzung der Kernenergie erlaube ich mir mal an dieser Stelle mit einem Sprichwort der amerikanischen Ureinwohner zu Antworten : "Wenn Du merkst, dass Du ein totes Pferd reitest steig´ab !" Und die "Pferde" und die Kurse der Aktien ihrer Reiter ragen hoch in den Himmel auf den sanften Hügeln deutscher Mittelgebirge... mehr und mehr ... :mrgreen:

Grüße nach Jena,

Undine

Matthias1
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Re: Photon trifft Atomkern

Beitrag von Matthias1 » Di 20 Mai, 2014 10:11 am

Hallo Undispektrum,

ersteinmal Danke für deine Antwort.
Erstaunlicherweise konnte ich dir gut folgen :D . Was du beschreibst ist doch unter anderem als String-Theorie bekannt oder irre ich mich? Das mit den Elektronen und den damit einhergehenden Welleneigenschaften ist schon interessant. Ich weiss, dass der Ort der Elektronen nicht genau bestimmt werden kann, es handelt sich lediglich um Wahrscheinlichkeitsrechnungen mit dem man den Ort der größten Wahrscheinlichkeit zumindest halbwegs eingrenzen kann. Das Elektron ist an einem Ort und im nächsten Moment irgendwo anders. Ich fasse mal zusammen:
Alle inneratomaren Bindungskräfte lassen sich durch unterschiedliche Wellenlängen erklären, also Kernkraft= Kurze Wellenlänge, Elektronen je höheres Orbital desto kürzere Wellenlänge usw.. also letztlich alles aus Wellen besteht und nur durch die makroskopische Wahrnemung eine Illusion der Materie entsteht. Jetzt stellt sich mir die Frage von was dann die Masse eines "Teilchens" abhängig ist. Ich kenne die Maßenverhältnisse in einem Atom nicht, aber dann müsste ja die Wellenlänge in Verbindung mit der Masse stehen. Soll heissen E=m*c^2. Je kürzer die Wellenlänge desto größer die "Masse" richtig?

Jetzt zum zweiten Punkt den ich in paar Tagen posten wollte, wir aber anscheinend auf einer gleichen Wellenlänge sind :D
Die ganzen Prozessorfirmen brauchen ja um leistungsstärkere Prozessoren produzieren zu können immer geringe Laserwellenlängen für die Photolithographie. Ich weiss, dass sie an einem 13,5nm Laser Arbeiten den auch schon haben aber der liefert bei 300.000Watt Steckdose (CO2) nur 70Watt Laserleistung also vom Wirkungsgrad mehr als besch*. Das ist aber klar weil die Wellenlänge mit der dritten Potenz eingeht. Mir kam dann auch mal in den Sinn warum nicht einfach radioaktive Körper nehmen und mit denen Arbeiten. Ich habe diese Überlegung aber Ad Acta gelegt denn es gibt ja nichts womit man diese Strahlung "formen" könnte.


Viele liebe Grüße :P

Matthias1
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Re: Photon trifft Atomkern

Beitrag von Matthias1 » Di 20 Mai, 2014 4:50 pm

Hallo,

ich habe noch einmal über meine Frage nachgedacht und da ist mir noch etwas aufgefallen. Aus der Gruppe der Leptonen gibt es ja noch andere "Teilchen" als das Elektron, die da wären Tauion und Myion. Warum gibt es keine Wechselwirkung des Photons mit diesen Teilchen? Sind diese einfach von ihrer Masse nicht Resonant für das Photon? Vom Myon weiss ich, dass es ungefähr die 200-fache Masse des Elektron besitzt. Das würde ja bedeuten im Umkehrschluss, dass das Photon eine vergleichbare Masse wie das Elektron besitzen muss, um für dieses Resonant zu sein?
Keine Ahnung aber mir schwirrt manchmal einfach viel im Kopf rum....


Grüße

undineSpektrum
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Re: Photon trifft Atomkern

Beitrag von undineSpektrum » Di 20 Mai, 2014 6:32 pm

Hallo,

Off Topic zuerst: ( @ alle )
Wie ich gerade in der Zeitung mitbekam verstarb gestern einer der wichtigsten Kollegen ( Prof. Dr. Hans-Peter-Dürr ) im Alter von 84 Jahren in München... :( Und vor allem: Ihm verdanken wir unter anderem die Beschäftigung mit vielen der Sachen von denen ich gestern hier schrieb... er hat es der breiten Masse zugänglich gemacht.

Hans Peter Dürr beschäftigte sich hauptsächlich mit der Kern- und Elementarteilchenphysik und mit der Interpretation der Quantenmechanik - und wie man es den nichtwissenschaftlern erklärt. Er ist außerdem auch Träger des "alternativen Nobelpreises" und Vorstand des Max-Planck Institutes für Physik in München seit 1978 (Nachfolge von Werner Heisenberg). Schade, dass er nun nie mehr etwas sagen kann... :(

Wenngleich ich meine : Die "Öko-Bewegung" ( als dessen Begründer er immer gesehen wird ) hat Ihn überhaupt nicht verstanden... das wurde in den letzten Jahren zunehmend deutlich...
Es gibt manchmal seltsame Zufälle....

Off Topic ende...

Guten Abend Matthias,

Du schreibst ja:
Zitat anfang:
Matthias1 hat geschrieben:Ich kenne die Maßenverhältnisse in einem Atom nicht, aber dann müsste ja die Wellenlänge in Verbindung mit der Masse stehen. Soll heissen E=m*c^2. Je kürzer die Wellenlänge desto größer die "Masse" richtig?
Zitat ende...
Genau so ist es ... weswegen ja auch alle diese Theorien invariant Gegenüber der Lorentz-Transformation sind ( d.h. also die spezielle Relativitätstheorie enthalten ).... Die Masse eines Photons z.B. aus einem Laser ist ja m=(h)/(c[0]*Wellenlänge)... h= "Plancksches Wirkungsquant" mit 6.636*10^(-34)*J*s und c[0] der Lichtgeschwindigkeit im Vakuum... die Wellenlänge steht dabei ja im Nenner... Interessant ist was das Plancksche Wirkungsquant in der Wellenmechanik bedeutet - es hat nichts mit einer Teilcheneigenschaft zu tun, für die es aber immer gehalten wird - denn die "Teilchen" sind Wavelets, das sind lokalisierte Wellenpakete... Das h ist die Wellenlänge die eine (gesamte) Masse einer Verteilung von 1kg bei der Bewegung mit einer Gruppengeschwindigkeit von 1 m/s besitzt... also 10^(-34) Meter... 0,000000000000000000000000000000001 m. :wink:

Wichtig ist mir noch auf folgendes hinzuweisen:
Du schreibst ja:
Matthias1 hat geschrieben:Ich weiss, dass der Ort der Elektronen nicht genau bestimmt werden kann, es handelt sich lediglich um Wahrscheinlichkeitsrechnungen mit dem man den Ort der größten Wahrscheinlichkeit zumindest halbwegs eingrenzen kann. Das Elektron ist an einem Ort und im nächsten Moment irgendwo anders.
Nein, denn das ist ja wieder das unzureichende Modell des klassischen, punktförmigen Elektrons. :wink: Obwohl : Viele Lehrbücher erklären es so. Die Diskussionen darüber verdanken wir ja dem gestern verstorbenen Hans-Peter Dürr...
Richtig ist auch das die von Max Born 1933 ersonnene "Bornsche Deutung" dieser Wellen ( das gilt auch für die Lichtwellen z.B. eines Lasers ) als Aufenthaltswahrscheinlichkeitsräume ( Nobelpreis dafür 1954 ) interpretiert weil ja immer Dichteverteilungen und Intensitäten gemessen - will heißen : Beobachtet werden. Die Wellenfunktion selbst gilt als nicht messbar.
Hier hat die Physik jedoch etwas übersehen : Die Interferenz. Dabei entsteht die Intensitätsverteilung z.B. zweier einelner Spalte eines Doppelspaltes nicht durch die Summe der Dichten oder Intensitäten sondern durch die Intensität der Wellenfelder, d.h. in die Beschreibung der positiven Wahrscheinlichkeitsdichte gehen negative Größen ein - und Wahrscheinlichkeiten sind niemals negativ. Deshalb gibt es die dunklen Interferenzstreifen beim Doppelspalt : Licht(welle) und Licht(welle) schwächen sich ab... :wink: Wahrscheinlichkeiten können sich nur verstärken. Dort ist der "Fingerabdruck" des "Gespensterfeldes" der Wellenfunktion, die sich nicht als Wahrscheinlichkeiten deuten lassen... :freak:
Es gibt in der Natur noch beim Licht zwei andere Bereiche wo dieser Wiederspruch auftritt : Bei der Lichtbrechung und bei dem sog. Tunneleffekt - ein anders wichtiges Arbeitsgebiet auch von mir ( der optische Tunneleffekt ).
Die Bornsche Deutung ist eine "Pi mal Daumen - Lösung" wenn man die komplette Wellenfunktion kennt - Zusammensetzen aus einzelnen Wellen kann man sie mit dieser Deutung nicht. Eben an z.B. dieser Stelle hat die Ökobewegung Hans-Peter Dürr falsch verstanden : Es bedeutet nicht das man unmessbare Größen zur Naturbeschreibung benutzen muss ( damit ist das Wellenfeld gemeint ) sondern dass relative Feldstärken ( also nicht messbares ) aus den Intensitäten bestimmt werden kann... ja, so kann es danebengehen wenn Man(n) / Frau sich nicht richtig versteht... Damit wird nicht der Zugang zu diesen Naturerscheinungen ausgeschlossen ( wie es die "Öko-Bewegung" ja meint und und mit politischen Mitteln zu dieser vermeintlich notwendigen Konsequenz nötigen will ... :wink: ) sondern es wird vielmehr ein neues Technologiezeitalter eingeläutet, das die Formung nicht direkt messbarer Wellenfelder durch Interferenz ( und auch deren Messung im Sinne Galileis : "Messen was was meßbar ist und messbar machen was nicht messbar ist" ) zum Gegenstand hat ... das ist ja das was technologisch stattfindet.

Das beantwortet auch Deine Frage:
Matthias1 hat geschrieben: Mir kam dann auch mal in den Sinn warum nicht einfach radioaktive Körper nehmen und mit denen Arbeiten. Ich habe diese Überlegung aber Ad Acta gelegt denn es gibt ja nichts womit man diese Strahlung "formen" könnte. :P
Doch auch solche Strahlung kann man formen - allerdings nicht in dem Sinne wie das in der Optik möglich ist. Es gibt ja da keine Linsen und Prismen, Spiegel etc... die refraktiv arbeiten ... aber es gibt diffraktive Optiken beispielsweise für alpha-Strahlung aus einem Radium-Präparat. Diffraktive Optiken arbeiten mit dem Effekt der Beugung und Interferenz - also genau dem was ich oben beschrieb - der Wellenfunktion der Partikel, beim Licht ist das das elektrische Feld E... und alpha-Teilchen sind Kernbausteine.
Hier ist eine Abbildung einer Fresnelschen Zonenlinse für solche alpha-Teilchen : Da kannst Du dann auch eine Fresnelzahl und eine Brennweite berechnen, wenngleich diese Optik aus Metallringen besteht. :freak:
Zonenplatte für alpha-Strahlung.jpg
Eine ähnliche Optik für gamma-Strahlung währe nach meinem Vorschlag 1992 eine auf einer Bragg-Reflexion basierende Wolter-Optik... die hat die gleiche Funktion auf die Partikel aus einem radioaktiven Präparat wie Glaslinsen auf Lichtwellen... Das ist dann etwas komplizierter zu erklären... Die Optik würde aus dünnen Röhren aus einem geeigneten Einkristall bestehen.... schon ein einzelnes Rohr leistet gute Dienste. Die Bragg-Reflexion ist wieder ein Interferenz-Effekt...
Hier ist eine solche Wolter-Optik für Röntgenstrahlung abgebildet:
Wolter-Optik.jpg
Wolter-Optiken gibt es auch für Licht - ursprünglich wurden sie ja von Wolter 1953 dafür vorgeschlagen...

Du siehst also : Es gibt doch Möglichkeiten der Strahlformung bei den ganz kleinen Wellen und ganz schweren Wellenfeldern.... um damit auch die Masse anzuspielen.

Richtig, Elektronen sind Leptonen - die haben auf Ihren Wellenfeld noch eine unmessabr kleine Struktur die deren Masse bestimmt - und das wird immer mit dem "punktförmigen" Elektron verwechselt... :wink:
Überlege das mal unter dem Begriff der Fourieranalyse... die ist Dir ja bestimmt bekannt... :freak:
Ob ein elektrisches Feld diese "sehen" kann hängt von der Ladung ab, manche Teilchen haben eben keine Ladung oder eine, die vernachlässigbar ist (Neutronen z.B.... , bei denen geht´s ja immer noch drum wie groß deren Ladung ist ... )

Des weiteren weise ich Dich nochmal auf eine Diskussion im Holografieforum hin - da kommen auch viele der Begriffe die für das Licht wichtig sind vor:
http://laserfreak.net/forum/viewtopic.php?f=17&t=55195

Quellenangabe: (Wenn er hier mitliest : Hallo Robert Schmidt! :lol: ) Die Bilder stammen aus Eugene Hecht : Optik , Oldenbourg-Verlag 1999 und sind hier zu wissenschaftlichen Lehr- und Ausbildungszwecken wiedergegeben.

Soweit erstmal...


Undine
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Re: Photon trifft Atomkern

Beitrag von Matthias1 » Mi 21 Mai, 2014 3:01 pm

Hallo Undispektrum,

sehr interessant. Ich frage mich, warum die Unternehmen den "Umständlichen" Weg über den Laser gehen, wenn es doch auch mit einem radioaktiven Material möglich wäre, zumal ja die Strahlung dann eine noch deutlich geringere Wellenlänge hätte also das mit einem Laser überhaupt möglich ist?


Grüße

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Re: Photon trifft Atomkern

Beitrag von undineSpektrum » Mi 21 Mai, 2014 6:25 pm

Also Matthias,

die von mir beschriebenen Geräte befinden sich ja immer noch im Versuchsstadium - wenn wir mal von einem Unternehmen ausgehen das im Ausland ansässig ist... :wink:

Einige der geschilderten Apparaturen sind Entwürfe die ich anfang der neunziger Jahre gemacht habe.
In Deutschland hat die Mehrzahl der Leute mit denen ich damals zu tun hatte schon damals den Kopf darüber geschüttelt - Du kannst Dir denken warum.

Dennoch : Es gibt diese Optiken tatsächlich. Bei Eugene Hecht´s "Optik" in der Ausgabe von 1999 kannst Du das ja nachlesen.

Es gibt ja auch Anlagen und Versuche mit Hilfe von Röntgenstrahlen zu "belichten", dort ist eher das "Aperturproblem" ausschlaggebend.
Für Teilchenoptik gibt es nur ein mir bekanntes Institut von Rang und Namen: Das ist Arbeitsgruppe für Elektronen- und Teilcheninterferometerie an der Universität Tübingen ( Kontaktdaten 1994 : Auf der Morgenstelle 9 ) Damals wurde diese Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Hannes Lichte geleitet.
Dort wurden schon vor über 40 Jahren alle (Wellen-)optischen Experimente mit Teilchen realisiert. Ein wichtiger Name in diesem Zusammenhang ist Claus Jönsson ... ( Doppelspaltexperiment mit Elektronen 1961 )
In Tübingen konnte auch Gabors angedachte Verbesserung des Elektronmikroskopes durch Wellenfrontrekonstruktion 1986 realisiert werden... in der Lichtoptik kennen wir das als Holografie... :wink:

Grüße nach Jena,

Undine

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Re: Photon trifft Atomkern

Beitrag von undineSpektrum » Mi 21 Mai, 2014 6:54 pm

Nachtrag:

Ausserdem sind immer kleinere Schaltkreise nach ein rein geometrisch "gestrickten" Layouts ein Problem... nicht zuletzt wegen der beschriebenen Wellenmechanik. Die Elektronen sind ja relativ "leichte" Objekte... und die werden ja mit kleinen Potentialdifferenzen=elektrischen Spannungen in der Elektronik bewegt... :)

Von anderen Effekten die nichts damit zu tun haben als ganz abgesehen... :mrgreen:

Undine

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Re: Photon trifft Atomkern

Beitrag von mojo_1234 » Do 22 Mai, 2014 12:43 pm

@Undine: Das sag ich nur eins: chapeau!

Durch deinen Beitrag haben ich mich zu stundenlangen und höchst interessanten Recherchen zu diesem Thema animieren lassen. Vielen Dank an Dich. Ist gut für die grauen Zellen.

-mo-

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Re: Photon trifft Atomkern

Beitrag von medusa » Do 22 Mai, 2014 11:56 pm

Oh wie schön daß es sowas noch gibt...
und interessant, daß ich nicht einzige bin, die während ihrer wissenschaftlichen Karriere Kopfschütteln erntete...

Ich bin während meiner Fusor-Basteleien gedanklich zu den Wellenfunktionen der Atomkerne gekommen. Rein philosophisch gesehen ist die 3-alpha-Reaktion das g**lste was es gibt (siehe meine Post-Unterschrift), und mich hat interessiert, wie der angeregte Kohlenstoffkern im Augenblick seines Entstehens "aussieht".
Auch wenn kein Fusor auf der Welt je einen backen wird. Wahrscheinlich jedenfalls. :P
Wir sind Sternenstaub, buchstäblich... jedes einzelne Atom schwerer als Wasserstoff und Helium in unseren Körpern ist im Fusionsfeuer im Herzen eines Sterns geschmiedet worden.
Vielleicht lieben wir deshalb das Licht so sehr.

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